Hinwil : 16. März 2009 07:02

Swisscom-Antenne wird abgebrochen

Vom ständigen «Wellenbad» geschädigt?

andenne0.jpg (Anrissbild 1)

Vom Elektrosmog geschädigt: Landwirt Ernst Weber seine Frau Trudi und Nachbarin Brigitta Nekom (von links). Weber hat Swisscom gekündigt. (fw)


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Auf der Scheune von Ernst Weber in Hadlikon steht eine Natelantenne. Jetzt hat er den Vertrag gekündigt: Kälber bekamen Schäden an den Augen; eine Nachbarin hat gesundheitlichen Probleme.

Werner Frei

Die Vorwürfe aller Beteiligten sind happig. «Hätte ich 1999 das gewusst, was ich heute weiss, hätte ich der Swisscom nicht erlaubt, auf dem Dach der Scheune eine zweistrahlige Mobilfunkantenne zu installieren», sagt Landwirt Ernst Weber, der an der Birchstrasse in Hadlikon zusammen mit seiner Frau Trudi einen Hof bewirtschaftet. Zwar hätten schon damals Kollegen in der «Hütte» Bedenken angemeldet, doch als er diese der Swisscom vorgetragen habe, sei er beruhigt und mit einer Broschüre über Elektrosmog vertröstet worden.
Zur Betriebsaufnahme installierte die Netzbetreiberin im Milchzimmer einen Telefonanschluss, bezahlte für jeden Monat 100 Franken Miete und schenkte Weber zu Weihnachten einen Gutschein im gleichen Wert. 2003 kam auf dem Hof ein Kalb mit einem Augenschaden auf die Welt, der vom Tierarzt bestätigt wurde.

Erblindung von Kälbern bekannt

«Das Tier sah Hindernisse nicht und musste schliesslich abgetan werden», erzählt Weber. Inzwischen hatte er Artikel über Mobilfunkantennen zu sammeln begonnen und war sensibilisiert. Hatte die Natelantenne die Erkrankung des Tieres bewirkt? Für ETH-Ingenieur Peter Schlegel von der Bürgerwelle Schweiz gibt es keine Zweifel: «Eine aktuelle Studie der Universität Zürich stellt einen möglichen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Linsentrübung bei Kälbern her.» Anlass zur Studie war 2003 das gehäufte Auftreten von «Kälberblindheit» auf einem Hof der Stadt Winterthur. Obwohl der Vertrag noch lief, musste dort Orange seine Mobilfunkantenne abbauen. Landwirt Weber wurde in seinem Argwohn bestärkt, als in den folgenden Jahren zwei weitere Kälber erblindeten und geschlachtet werden mussten.

Erhöhte Elektrosmogsensibilität

2005 kam es für Ernst und Trudi Weber zu einer wichtigen Begegnung. Bei ihnen meldete sich Brigitta Neukom, eine in 250 Meter Entfernung von der Mobilfunkantenne wohnende Frau. «Ich habe Näheres über die Mobilfunkan-tenne wissen wollen und habe von meinen gesundheitlichen Problemen erzählt», erinnert sie sich heute an damals. Die gelernte naturwissenschaftliche Zeichnerin und heutige Bewegungstherapeutin war in das Haus ihrer Eltern eingezogen und hatte bald festgestellt, dass sie sich nachts im Schlaf nicht mehr erholen konnte. In den folgenden Jahren machten sich immer neue Krankheitssymptome bemerkbar, wie etwa Muskelkrämpfe, starke Kopfschmerzen, Nerven- und Augenentzündungen. Neukom suchte Rat und Hilfe bei der Schul- und Komplementärmedizin. Schliesslich wurde eine erhöhte Elektrosmogsensibilität diagnostiziert.

 

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«Sitze ich zu Hause an meinem in Richtung Antenne ausgerichteten Schreibtisch, beginnt sich nach einer halben Stunde die linke Wange zu röten», sagt Neukom. Die tägliche Schmerzkurve beschreibt exakt die Frequentierung der Antenne. Elektrosmogfachmann Schlegel stellte bei Neukom zu Hause, ebenso wie auf Webers Hof Strahlungsmessungen an und kam zu eindrücklichen Resultaten: «In beiden Fällen stellte ich in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen eine extreme Auffälligkeit fest.»
Jetzt war Webers klar: Eine Mobilfunkantenne, welche Tier und Mensch derart schädigen konnte, wollten sie nicht mehr länger auf ihrem Scheunendach haben. «Schon vor zwei Jahren hat sich Swisscom um eine Verlängerung des Vertrages bemüht, der Ende dieses Jahres abläuft», erklärt Landwirt Weber. Die neuen Bedingungen wären sogar besser gewesen, nur die Kündigungsfrist wäre von einem auf zwei Jahre erhöht worden.

Ersatzstandort gesucht

Weber: «Weder dies noch eine Swiss-com-Broschüre mit Professor Gutzwiller konnten mich davon abhalten, am 6. November 2008 das Kündigungsschrei-ben an Swisscom abzuschicken.» Inzwischen ist auch die Bestätigung eingetroffen, dass die Anlage Ende 2009 abgeschaltet werden soll. Und inzwischen sind bereits Swisscom Unterhändler in Hadlikon unterwegs, um einen Ersatzstandort zu finden.

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